Sonntag, 5. August 2007

Lach-und Sachgeschichten über Spinnen

Mir ist es wirklich egal, wie groß eine Spinne ist, doch muss ich zugeben, dass meine Toleranz etwas größer gegenüber den eher fauleren Spinnen geworden ist. Spinnen, die nichts Besseres zu tun haben, als in ihrem Netz rumzuhängen. Stubenhocker sozusagen. Ja, ich mag Stubenhocker-Spinnen. Sie sitzen so rum und gucken fern. Sport ist ihnen zuwider. Erkundungstouren in der großen Welt – iih bäh! So bin ich ihnen gegenüber auch eher tolerant.


Ich wurde zwar nicht gefragt, ob ich sie als Untermieter haben möchte sondern sie zogen einfach ein mit Sack und Pack, aber nun gut. Man soll ja gastfreundlich sein. Außerdem halten sie einem lästige Fliegen vom Hals. Ab und zu gucke ich dann bei den Spinnen vorbei, frage nach, ob alles ok ist, sammel das Mietgeld ein. Ihr wisst schon, was man halt mit Untermietern tut. Und da sitzen sie dann. Manchmal muss man sie mal anpusten um zu sehen, ob sie überhaupt noch leben. Man will ja nicht, dass einem irgendwann Verwesungsgeruch entgegenströmt.

Apropos, ich habe letztens gelesen, dass die Polizei bei einem Mann die Tür aufbrach, weil der Vermieter Verwesungsgeruch aus der Wohnung des Mannes bemerkte. Es stellte sich allerdings heraus, dass es sich bei dem Geruch nur um seine schmutzige Wäsche und den Käsegeruch seiner Füße handelte. Sachen gibt’s.

Nun, die meisten Spinnen leben nach dem Anpusten noch. Manche fangen sofort an zu zittern nach dem Motto „mich friert’s“ und ich bin zufrieden. Ja, du darfst bleiben.

Aktive Spinnen allerdings sind mir zuwider. Natürlich müssen Netze gebaut werden. Die spinnen sich ja nicht von allein. Doch bitte alles in Maßen. Und nicht über meinem Kopf. Jagdspinnen allerdings und Spinnen, die einfach gerne mal eine Runde joggen gehen, die haben in meinem Haus nichts zu suchen. Wenn sie dann auch noch eher dunkel sind (vielleicht kommt hier der Neid der Hellhäutigen gegenüber allen Kreaturen hindurch, die schnell braun werden), dann müssen sie raus. Vielleicht ist das ein wenig diskriminierend, aber ich muss mich ja nicht mit allem abfinden, was in meinem Hause kriecht und fliegt, oder? Außerdem ist mein Schlafzimmer tabu. Ich schlafe sozusagen gerne alleine und möchte nicht gerne geweckt werden, weder durch eine schnarchende Spinne noch durch Spinnen, die die Nacht zum Tag -und mein Schlafzimmer zum Partyzimmer verwandeln. Aber auch wenn die Spinne recht manierliche Angewohnheiten haben und nur tagsüber mal vorbeischauen, reagiere ich etwas empfindlich. Das Schlafzimmer ist schließlich doch ein eher privates Zimmer, da würde ich auch nicht bei jedem reingehen, geschweige denn mich niederlassen.

So lasst mich mal zwei Begebenheiten mit Spinnen erzählen, die sich besonders in meine Erinnerung eingebrannt haben. Von der ersten schreibe ich jetzt, die andere kommt später.

Es war an einen sonnigen Frühlings-oder Sommertag. (So genau weiß ich das nicht mehr, aber da in Deutschland ja manchmal Sommerwetter im Frühling und Frühlings-oder gar Herbstwetter im Sommer vorkommt, ist das ja auch nicht weiter erstaunlich, dass man die Jahreszeiten durcheinander bringt.)

Meine beiden Freundinnen, die ca. 3jährige Tochter meiner Freundin, mein damaliger Freund und ich sitzen bei meinem Freund in der Küche und reden. Ich sitze nichts ahnend mit der 3jährigen auf der Fensterbank, als sich plötzlich ohne Vorwarnung eine Spinne über meinem Kopf abseilt und sich auf mir nieder lässt.

Ja, die Gefahr lauert überall. Sie kommt von oben, unten, von recht, von links – man ist nirgendwo sicher. Irgendwie ist es aber noch schlimmer, wenn sie von oben kommt. Man fühlt sich dann noch hilfloser, unterlegener. Als wenn die Spinne sagen würde: „Ha, ich kann dir auf den Kopf spucken!“ Es gehört ja auch zur normalen Kampftaktik. Man verkriecht sich oben auf der Burg und lässt heißes Öl auf den Feind hinunter. Diese Geschichte habe ich mal in Spanien gehört. Man sieht, wenn man oben ist hat man mehr Chancen zu gewinnen.

Nun, diese besagte Spinne ging –obwohl eigentlich gerade Frieden herrschte -gleich in den Angriff über und stürzte sich von oben auf mich. Wie reagiert man auf so eine hinterlistigen Überraschungsangriff, wenn man gerade gemütlich an seinem Saft schlürft und nichts Böses ahnt? Überrascht – sicher. Erschreckt – natürlich. Panisch – auf alle Fälle.

Nun betrachten wir das alles mal aus einer anderen Perspektive. Stellt euch vor, ihr sitzt oder steht gemütlich in der Küche und schlürft euren Saft, als auf einmal eure Freundin wie von einer Tarantel gestochen aufspringt und ihr Glas mitsamt Inhalt in die Ecke pfeffert, wo es natürlich zerbricht (Anmerkung: Ich würde ja gerne behaupten, dass es sich um ein Ablenkungsmanöver handelte, um die Spinne zu verwirren und sich dann auf sie zu stürzen, aber das wäre gelogen. Ehrlich gesagt war es nur der pure Schreck!).

Als nächstes hüpft sie auf und nieder und schreit „Wo ist sie? Wo ist sie?“ (Die Freundin nicht die Spinne) Die Dramatik verstärkte sich noch durch den Hintergrund-Sound, der hauptsächlich aus dem erschreckten Weines eines 3jährigen Kindes bestand. In den Köpfen der Anwesenden beginnt es an zu rattern…Wo ist wer? Wenn wir gerade über die Hoffnung im Leben diskutiert hätten, wäre dies natürlich eine sehr eindrückliche Demonstration gewesen, fast theatralisch. Wo ist sie? Wo ist sie? Die Hoffnung! Wehe dem, der sie mir genommen hat!

Glücklicherweise braucht es nicht lange bis die wirkliche Tragik der Situation verstanden wurde. Suchende Augen fanden schnell den Auslöser meines Herumgefuchtel und beruhigten mich, dass sich die Spinne ergeben hatte. Und so beruhigte ich mich langsam aber sicher wieder.

Ich hörte auf zu springen, trocknete mir die Tränen, verband mir die Kriegswunde und holte mir ein neues Glas.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Es fühlt sich an, als wäre ich live dabei gewesen...sehr anschaulich beschrieben. MOMENT, da fällt mir ein ...ich war dabei! Es war so herrlich komisch. Hihi

Anonym hat gesagt…

oh, du hast vergessen zu erzählen, dass unter der Fensterbank ein Karton mit Altglas stand und du da in deiner Fluchtaktion reingejumpt bist. Das hat gescheppert!